Religion notwendig ?
Zeigen der (Religion) nicht mehr so öffentlich wie früher;
wie wichtig ist der individuelle Teil des Glaubens; der Wunsch nach Glaube; Antwort nach Glaubensbedürfnis;
Religion = starke kulturelle Bindung,
Christentum: frueher war der Wahrheitsanspruch die Erkenntnistheorie; dan die Ethik – also wie der Mensch sich zu verhalten hat, zusammenzuleben hat, Politik und Recht eng miteinander verknüpft. Das hat sich irgendwann gelöst. Erkenntnistheorie hat keinen Anspruch mehr im öffentlichen – höchstens noch im privaten. Es hat nur noch die ethische Komponente.
Also die Bibel – Welterschaffung in 6 Tagen ist eher ein Bild; Dem und Eva ist als Metapher zu verstehen; also der Erkenntnisteil ist nicht mehr beansprucht von den Christen von heute. Wohl aber der ethische Teil.
Islam hat diese Teilung nicht vollzogen ? Noch so verbunden wie frueeher im Christentum. Reformation des Islam beschäftigt das. 7. JH Verse können nicht mehr wortwörtlich genommen werden und müssen es so versuchen wie die Sufis es schon immer praktizierten. Also wieviel von den Schriften im 21 JH noch erklaerbar und auch vermittelbar ist. Nachvollziehbar für uns und leb-bar. Dies muss der Islam ebenfalls vollziehen (so die Imamin) .
Al Rushd (Averroes) Man soll die Schriften (Koran) nicht wortwörtlich nehmen . Er richtet sich an Menschen ohne Bildung. Geschichten also, mit Weisheitssinn; alles Wahre kann man allerdings nur Logik, Philosophie und Nachdenken herausfinden. Das kann nicht jeder – also bedarf es Menschen, die dies für andere tun, die ihnen erklären was der eigentliche Sinn hinter den Geschichten ist.
Trotz des Entwicklungsstandes der islamischen Gesellschaft zu der Zeit, haben es Menschen wie Averroes nicht vermocht, die starre Sichtweise des Islam zu lockern. Tatsächlich hat hier das Christentum wesentlich mehr veraendert.
Imamim hat eine Moschee eröffnet und diese nach IbnRuschd benannt (und Goethe da in Berlin) . Provokation ? Im Vergleich zum Christentum wenn eine Bischoefin eine neue Kirche aufmachen würde, waere dies eine Provokation.
Imamin: Christentum und Isalm nicht vergleichbar, da der Islam nicht institunionalisiert ist. Es gibt kein Oberhaupt – keinen Papst – stattdessen ist die Auslegung sehr viel individueller als b d kath Kirche oder Christentum generell.
Es gibt so viele ‘Islame’ – wenn zwei Muslime zusammenkommen, gibt es drei Ansichten …
Christentum hatte auch eigentlich keine Regeln bis ca 400 n Chr. Erst da wurden die Ämter festgelegt und Regeln aufgestellt, nach denen das Christentum zu funktionieren hatte. Alle, die dies anders sahen wurden verfolgt und bekämpft. Dies hat im Islam nie so stattgefunden – höchstens Regional.
Warum bekämpfen sich Sunniten und Shiiten dann überhaupt. Macht ? Um die Nachfolge des Propheten ? Aus diesem Nachfolgestreit – also wer hat die Macht – die Nachfolger des Propheten oder die Auserwählten ? also aus diesem Nachfolgestreit sind Traditionen entstanden. Die Lieblingsfrau des Propheten war eine derjenigen, die diese Traditionen zu Papier gebracht hat und mehr als 200 verschiedene Schriften zusammengestellt hat. Eigentlich sollte es eine Hadistensammlung werden. Stattdessen wurde sie von Männern verdrängt, die diese Hadisten genutzt haben um noch mehr zu erfinden und neue zu verfassen.
Parallele wieder zum Christentum, in dem ebenfalls versucht wurde aus den teilweise widersprüchlichen alten Überlieferungen eine allgemeingueltige Regel zu verfassen. Hierbei ging es keineswegs um Glauben an sich sondern um Macht, also um die Herrschaft in der damaligen Welt. Also Herrschaftsanspruch durch diese ‘Regeln’ .
Den Sufis ging es interessanterweise um den Glauben des Einzelnen, um Spritualitaet. Es geht nicht um Religion als Herrschaftsform. Bei den Christen waren dies die Mystiker die eigentlich das selbe wollten: Gott ist etwas was ich alleine mit mir mit meinem Herzen und meiner Spiritualität ausmache und Nichts was irgendwo als Regelwerk für mich steht.
Auch bei den Sufis gibt es eine Hierarchie mittlerweile aufgrund des Machtanspruchs einiger Männer.
Macht ohne Missbrauch verliert ihren Reiz. So gesehen wird jede Bewegung durch Macht korrumpiert (e.g. Jesus – Kirche; Marx – Staatssozialismus unter Stalin) . Also es gibt keine Idee, die davor gefeit ist, massiv missbraucht zu werden.
So gesehen verständlich, dass die Islamisten es unter allen Umständen vermeiden wollen, dass der Islam eine ähnliche Entwicklung nimmt wie im Christentum:
Von absoluter Macht im Mittelalter über die immer mächtiger (als Der Papst) werdenden Kaufleute in der Renaissance damit einen die Institutionen verloren, man musste sich dan die Könige halten; dann kam die Aufklärung, man hat seinen gesellschaftlichen Einfluss verloren. Schulen, Bildungssystem wurde säkularisiert; am Ende blieb nur noch so ein Rest uebrig. Das will der Islam nicht !
Wenn wir einmal anfangen, unsere Religion zu liberalisieren (Frauen Gleichberechtigung, Kopftuch weg etc,) dann bleibt am Ende nichts mehr übrig.
Frauenwahlrecht: Recht auf das Sorgerecht des Kindes. Gleichzeitig hab es Frauen, die gesagt haben, wir wollen nicht wählen. – politisch aktiv sind, Ämter bekleiden. Frauenvereine gegen Frauenwahlrecht gab es.
Also es gibt hier (Islam) Menschen, die nicht akzeptieren können, dass etwas über dem Koran steht also Zivilgesetze. Wollen also. dass ‘Gott’ über allem steht. Dann allerdings auch wollen, dass ihre eigene Interpretation dessen nochmal ueber allem steht und sich somit über Gott stellen.
Kopftücher verboten würden, könnten die Frauen zu den Männern sagen: Das Gesetz verlangt es aber so. So wie es in der Türkei war. Man konnte nicht mit Kopftuch in die Schule oder die Universitaet. Das war sehr viel einfacher und hat der Gesellschaft gutgetan. Heute ziehen Frauen aus Istanbul weg zB nach Izmir, weil sie in der Oeffentlihckeit belästigt werden, wenn sie kurzärmelig oder ohne Kopftuch herumlaufen. Also ein Rueckschritt.
Wie ist es mit dem Beispiel in Bayern, als vor ca 20 Jahren in der Schule ein Christuskreuz abgehängt werden sollte ? Die Symbolik ist im Islam eine Andere als im Christentum. Das Kreuz, das Kopftuch und die Kibbap wird in einen Topf geworfen.
Kopftuch kommt ursprünglich aus Griechenland. Lange vor Islam und vor Christentum wurde es benutzt (Mesopotamien) für die Verehrung von Göttern durch Frauen.
Spaeter trugen Prostituierte Vollverschleierung. Daher auch die Debatte bzgl Kopftuch in Verbindung mit sauber / unsauber, gut / schlecht, etc.
Es ist erst ein Symbol geworden im Islam.
Kreuz wurde auch erst seit Constantin ein Symbol des Christentums. Also kein Ursymbol aber ein Religionssymbol, was es damals geworden war.
Wer die Wahrheit wirklich liebt. der bildet sich nicht ein sie zu besitzen; und bildet sich auch nicht ein, sie von Gott eingeflüstert bekommen zu haben.
Quelle: Auszüge von R.D.Precht Interview mit Imamin Seyran Ates.
